Jahre ohne Dich

2019

Lieber Nicolas, wieder ist ein Jahr vergangen …
Gerade am heutigen ‚Jahrestag‘ stelle ich mir vor,
wie Du Dich wohl verändert hättest und
was wir wohl alles zusammen unternommen hätten.
Ich trauere darum, das alles nicht mir Dir erleben zu können,
aber ich bin auch so sehr dankbar für die Zeit,
die wir gemeinsam hatten.

 

 

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 2018

Lieber Nicolas, wieder ist ein Jahr ohne Dich vergangen – das Zweite. Wie war es, was ist so passiert? Ein paar Gedanken rückblickend.

An deinem ersten Todestag haben wir dein Grab umgestaltet. Blaue statt weiße Steine. Die Sonne kommt jetzt besser zur Wirkung. Blau, weil das eine deiner beiden Lieblingsfarben war. Nachmittags habe ich dort auch deine Taufpatin mit ihrem Sohn getroffen, als sie dich besuchen kamen. Es hat mich sehr gefreut, dass deine Patentante das Grab mit schönen Sonnenblumen geschmückt hat.

Beim Kerzenwechsel am darauffolgenden Sonntag habe ich bemerkt, dass noch jemand lila Blumen auf dein Grab gestellt hat. Es wurden zu deinem 1. Todestag auch eine Reihe neuer Kerzen auf deiner Gedenkseite angezündet. Überhaupt besuchen immer wieder Leute deine Gedenkseiten. Es tut gut zu sehen, dass viele an Dich denken! Auch die KONA hat uns in diesen Tagen eine aufmunternde Karte geschickt – sehr nett.

Deine Schwester zieht ab Ende September nach Bonn, weil sie dort ihr Studium aufnimmt. Ich frage mich, ob sich dann das „Empty-Nest-Syndrom“ einstellt – mal sehen.

So, heute am 20. September ist es soweit: Mariella ist mit Sack & Pack in Richtung Bonn abgefahren. Sie wird dort voraussichtlich für die kommenden 3,5 Jahre studieren. Mal sehen, wie wir damit ‚zurechtkommen‘ … Auf alle Fälle ist es seit heute noch ruhiger im Haus.

Ende September hatte ich wieder genug Kraft gesammelt, um deine Gedenkseite um weitere Jahre zu ergänzen. Es fehlen jetzt noch die Jahre 1998 – 2002.

Jetzt im Herbst lassen die Bäume wieder ihre Blätter fallen. Dein Grab liegt direkt unter einer Linde, so dass es ständig mit Laub bedeckt ist. Daher gehe ich öfter zwischendurch ’nach oben‘, um dein Grab in Ordnung zu halten.

Mitte Oktober habe ich nun auch deine letzten Bilder der Jahre 1999 – 2001 eingestellt.

Am 20. Oktober hat sich eine ehemalige Begleiterin deiner morgendlichen Schulbustour bei uns gemeldet. Sie habe letzte Nacht von dir geträumt, meinte sie und wollte sich nun nach deinem Befinden erkundigen. Mama mußte ihr dann sagen, daß du letztes Jahr von uns gegangen bist. Da war sie fassungslos und sehr traurig.
Ist es nicht schön, daß sich jemand einfach so spontan an Dich erinnert? Du hast Spuren in so vielen Herzen hinterlassen!

Immer wenn ich Situationen eines Vaters mit seinem Sohn sehe und beobachte, denke ich sofort an dich und stelle mir vor, wie es jetzt mit dir so wäre. Dabei schnürt es mir dann unweigerlich den Magen zusammen und das Herz beginnt schneller zu schlagen.

Bald ist wieder Weihnachten. Es ist doch in erster Linie ein Familienfest und insbesondere ein Fest für Kinder … Der Stellenwert von Weihnachten hat sich für mich sehr verändert. Du fehlst einfach hier!

Heute ist der 1. Advent und wir haben zum ersten Mal keinen Adventskranz. Das zeigt, wie sehr auch alte Traditionen Federn lassen. Seitdem du nicht mehr bei uns bist, hat sich doch einiges in der persönlichen Einstellung gegenüber manchen Dingen geändert. Nicht geplant oder gewollt, es ergibt sich einfach so.

Am 5. Dezember haben wir die Traueranzeige von Florian lesen müssen. Er ist am 28. November völlig unerwartet verstorben. Mit Florian warst du auf so vielen Freizeitausflügen der Caritas. Vor einigen Jahren durften wir mit seinem Papa auch mal eine Runde in seinem Flugzeug drehen. Was für eine traurige Nachricht am Nikolaustag.

Den ersten heftigeren Schneefall hatten wir dieses Jahr Anfang Dezember. Wir mußten Schneeschippen. Die Nachbarskinder packten auch fleißig mit an.

Als ich an einem Sonntag Abend Mitte Dezember wie immer eine neue Kerze an deinem Grab anzündete, sinnierte ich, wie es dir wohl so ergeht. Wer kümmert sich um dich? Habt ihr bei ‚Euch‘ auch Jahreszeiten, einen Winter und Schnee?
Wenn ich jetzt Kinder mit ihren Schlitten sehe, denke ich sofort an unsere Schlittenfahrten am Kühberg zurück. Welchen Spaß wir alle hatten!
Mein Magen verkrampft sich dabei wieder ein wenig … Es ist so unendlich traurig, dass wir all das nicht mehr zusammen erleben können.

Es ist irgendwie so, daß ein Säckchen mein ständiger Begleiter ist – egal wo, egal wann. Im Säckchen befinden sich Schmerz, Traurigkeit, Erinnerung, Hoffnung und vor allem Sehnsucht. Wut, Angst und Freude sind nicht drinnen.

An deinem 19. Geburtstag waren wir im kleinen Kreis abends beim Essen. Auf dein Grab haben wir einen Strauß ‚winterharter‘ Rosen gestellt und eine extra Kerze für dich angezündet.

Deine Klasse hat im Januar eine kleine Geburtstagsandacht um das Apfelbäumchen für dich abgehalten. Es wurde laut Lehrerin viel gelacht, aber auch geweint. Das Apfelbäumchen hat sich mittlerweile gut eingewachsen, wirkt vital und kräftig.

Fußball schauen im Februar hat mir wieder ein Tief verpasst. Stark kamen die Erinnerungen an gemeinsame Fußballabende auf, wo wir beide im entsprechenden Trikot vorm TV mitgefiebert haben. Du hattest vor allem deinen Lieblingsspieler Thomas Müller angefeuert, bist aber dann meist doch recht schnell eingeschlafen. Gemeinsame Champions League Abende waren eine Art Ritual, das ich sehr vermisse.

Immer mal wieder erwischt einen so eine Art ‚emotionaler Herzinfarkt‘. Man ist dann vollkommen regungslos und fühlt sich wie auf einer Luftmatratze im Meer treibend. Nichts ist oder scheint mehr wichtig. Ein Gefühl totaler Leere und völliger Gleichgültigkeit, ganz alleine mit seiner Trauer. Glücklicherweise gehen solche Momente genauso unvermittelt, wie sie kommen.

Der 21. März ist wieder so ein Tag, der meine Gedanken unweigerlich zu dir lenkt: Welt-Down-Syndrom Tag. Ich denke ganz besonders an Dich!

Am 21. April besuchte ich mir deiner Oma wieder den von KONA ausgerichteten alljährlichen Gottesdienst. Alle Eltern durften für Ihre verstorbenen Kinder dort einen kleinen Rosenblumenstrauß binden – eine tolle Idee! Die Sträußchen wurden dann alle in einem Glas auf den Boden rund um einen Herzrosenstrauß aufgestellt. Dazu wurden Teelichter in verschiedenen Farben angezündet Es wurde gesungen, es gab aufmunternde Worte und alle waren in Gedanken bei ihren Liebsten. Den kleinen Strauß durften wir später mit nach Hause nehmen.

Ende April habe ich mir ein Herz genommen und endlich deine Fotos und Unterlagen aus der Schule sortiert. Die lagen jetzt sicher über einem dreiviertel Jahr auf dem Kamintisch und keiner traute sich ran. Die größten Schätze habe ich behalten. Sehr schöne Erinnerungen an deine Schulzeit, aber ganz klar auch wieder sehr traurig, dich in vielen glücklichen Momenten zu sehen.

Zum ersten Mal in diesem Jahr eine ‚große Kerze‘ angezündet haben wir am 28. April. Der April war heuer fantastisch warm und trocken – nicht der Monat, der eigentlich macht, was er will.

Nach den Pfingstferien wurden wir von deiner Schule informiert, daß eine Bank rund um das Apfelbäumchen aufgestellt wurde. Die Schüler würden sich dort gerne in den Pausen treffen und die Bank zum gemütlichen Beisammensein nutzen. Genannt wird sie ‚Nicolas Huth Bank‘.

Jetzt im Sommer sieht man wieder viele Kinder im Freien toben. Auch in unserer Spielstraße wird viel Kart und Fahrrad gefahren. Daneben stehen die Eltern, unterhalten sich, scherzen und haben stets einen Blick auf ihre Kinder. Glückliches Familienleben denke ich mir. Das hatten wir auch mal, denke ich mir. Wahrscheinlich ist den Familien mit ihren Kindern diese Glückseligkeit gar nicht bewusst. Ist ja oft so im Leben, dass man Dinge erst dann zu schätzen lernt , wenn man sie nicht mehr hat. Ich bin – zugegeben – ein wenig neidisch, hätte ‚dieses‘ Familienglück auch gerne wieder zurück. Irgendwie ist mit deinem Tod soviel mehr begraben worden. Die Erinnerungen alleine machen leider nicht wirklich nur glücklich – im Gegenteil.

So kurz vor deinem 2. Todestag stelle ich mir selbst die Frage: „Wird es besser?“ Die Antwort ist schwierig – kein klares ja, kein klares nein! Es wird anders mit der Zeit. Man lernt (besser) damit zu (über-)leben und mit seiner persönlichen Situation umzugehen. Man akzeptiert, daß man in seiner Trauer bis auf seltene Ausnahmen (besser) alleine bleibt.

Das eigene Leben hat sich in vielen Belangen geändert Nichts ist mehr so wie früher. Man selbst ist nicht mehr so wie früher. Damit muss man zurechtzukommen, die Anderen aber auch.

Zwei Jahre ohne Dich. Der Blick ist immer noch oft leer, die Lebensfreude nicht wirklich wiedergekehrt, der Schmerz nach wie vor groß. Es hilft kein Pflaster. Die beiden Wörter, so einfach zu sagen, aber doch so schwer zu ertragen.

 

 

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2017

Lieber Nicolas, ein Jahr ohne Dich ist vergangen. Wie war es, was ist so passiert? Ein paar Gedanken rückblickend.

Deine Traueranzeige hätte dir sicher auch gefallen. Wir haben uns für eine schöne Sonne entscheiden, weil du einfach unser Sonnenschein warst. Und zudem für einen bunten Schmetterling wegen der kurzen Zeit mit uns.

Zu deiner Beisetzung kamen trotz Urlaubszeit/Sommerferien sehr viele Trauergäste. Es war, so wurde uns später von vielen Trauergästen bestätigt, wohl eine sehr schöne Trauerfeier. Die Trauerrednerin hatte, gut vorbereitet, eine bewegende Rede gehalten. An deinem Grab haben wir später weiße Tauben steigen lassen. Jemand hat sich an deine Vorliebe erinnert und eine Breze auf das Grab gelegt. Was für eine tolle und berührende Geste.
Nach der Beerdigung haben wir uns in kleinerem Kreis im Triplico – deinem Lieblingslokal – getroffen. Ich habe mir (für dich) Nudeln mit Soße (Spaghetti Bolognese) bestellt!

Am nächsten Tag haben wir am Grab einen sehr schön bemalten Stein mit deinem Namen ‚gefunden‘. Der schmückt noch heute dein Grab.

Die ersten Tage konnte ich nicht am Grab stehen, ohne dein Gesicht vor mir zu sehen. Es mußte ein Bild her. Also habe ich eines für die nächste Zeit mitgebracht

Kurz nach Schulanfang besuchte die Tagesstätte dein Grab und stellte einen schön bepflanzten Blumentopf auf. Eine Woche später war deine Schulklasse zu Besuch. Jeder Deiner Klassenkameraden hatte einen selbst bemalten Stein mit seinem Namen mitgebracht. Die liegen noch heute auf deinem Grab.

Mitte Oktober fand eine Gedenkfeier in deiner Schule statt. Die Kinder haben für dich gesungen und viele Schmetterlinge gebastelt. Jeder mit einem persönlichen Spruch darauf. Die wurden dann an ein kleines Apfelbäumchen gehängt. Das Apfelbäumchen wurde später im Garten eingepflanzt. Es war eine sehr schöne Feier.

Für den 15. November wurde vom Klinikum Schwabing zur Gedenkfeier für alle im Jahr Verstorbenen eingeladen. Die Trauerreden wurden mit Harfenspiel untermalt.

In der Zwischenzeit hatten wir für dich ein Urnengrab ausgesucht. Es kommt nicht hier aus der Umgebung, sondern wurde Thüringen vom Steinmetz gefertigt. Ein heller Elbsandstein mit ‚deiner‘ Sonne als Glasornament. Das hat uns auf Anhieb gefallen.

Schwer war der Gang zur Gemeinde wegen der Entwertung deines Personalausweises. Das war eine brutale Voraugenführung, dass es dich einfach nicht mehr gibt in dieser Welt.
Belastend waren auch die vielen Krankenhausrechnungen, die immer noch bis ungefähr Dezember im Briefkasten lagen und immer wieder an die schmerzliche Zeit in der Klinik erinnerten.

Ende November haben wir für dein Grab schöne Keramikblumen, einen Strauß Callas, besorgt. Damit auch im Winter immer ‚frische‘ Blumen dein Grab zieren. Allerdings standen die Blumen nicht lange, da für uns sehr überraschend und auch unangekündigt noch kurz vor Weihnachten dein Grab fertiggestellt wurde. Wunderschön, genauso wie wir es uns vorgestellt haben!

Mitte Dezember hatte ich deine Gedenkseite freigeschaltet, an der ich die letzten beiden Monate gearbeitet habe. Den Anstoß dazu gab mir eine Seite, über die ich in einem der Trauerbücher gelesen hatte. Ein Blick darauf verriet mir, daß dort auch noch nach sehr langer Zeit an die verstorbene Person, eine damlas junge 20-jährige Frau, erinnert wurde. Ich fand das so toll, daß ich mir gesagt habe: das will ich für dich auch! Also machte ich mich an die Arbeit und muß sagen, wann immer ich daran gearbeitet hatte, ging es mir besser. Denn ich hatte dann das Gefühl, etwas für dich getan zu haben. Mittlerweile wurden schon eine Menge Erinnerungen eingestellt, Gästebucheinträge verfasst oder Kerzen für dich angezündet. Beim Lesen der Beiträge flossen natürlich immer wieder viele Tränen.

In der gleichen Woche hatte ich zum ersten Mal dein Apfelbäumchen besucht und mich davon überzeugen können, daß es gut angewachsen war. Bei der Gelegenheit holte ich auch dein Kondolenzbuch aus der Schule ab, wo viele Mitschüler und Lehrkräfte Erinnerungen an Dich zu Papier gebracht hatten. Abends beim Lesen musste ich wie so oft bitterlich vor Sehnsucht weinen.

Es war eine schöne Geste deiner Schule, uns in der Vorweihnachtszeit eine Karte zukommen zu lassen. Darüber haben wir uns sehr gefreut!

Deinen 18. Geburtstag haben wir so, wie es die letzten Jahre Tradition war, verbracht. Nachmittags war der engere Familienkreis zu Gast bei Kaffee und Kuchen, danach haben wir gemeinsam dein Grab besucht. Dort hatten wir gelbe Teelichter in Form einer 18 aufgestellt und angezündet. Abends waren wir dann wie immer an deinem Geburtstag im Triplico beim Essen.

Zu Beginn der Schule nach den Ferien, so erzählte uns deine Lehrerin, hatte deine Klasse für dich nachträglich ein Happy-Birthday gesungen, eine große Papierkrone mit einer 18 in ihre Mitte gestellt und sich etwas Zeit für ihre Gedanken, ihre Trauer und Gefühle genommen. Es ist immer ein aufbauendes Gefühl für mich zu hören oder zu lesen, daß nahestehende Personen an Dich erinnern.

Mittlerweile hat es sich so ergeben, daß ich dich jeden Sonntag besuche und eine neue Kerze an deiner Ruhestätte anzünde. Ich kann es nicht ertragen, wenn keine Kerze brennt. Auch wenn ich dich nicht jeden Tag am Grab besuche, so besuche ich dich jeden Tag in meinem Herzen!

Der Schmerz, den ich über deinen Verlust tagtäglich empfinde, ist vielleicht am besten erklärbar mit furchtbaren Phantomschmerzen, die jemand nach dem Verlust über eine seiner Extremitäten erleidet. Nur mit dem Unterschied, daß der Schmerz nicht in erster Linie körperlich, sondern seelisch ist. Und für einen Außenstehenden nicht sichtbar oder nachfühlbar ist.

Mitte März hat die Friedhofsverwaltung auf unseren Vorschlag hin eine Bank vor deinem Grab aufgestellt. Damit können wir jetzt gemütlich sitzen, wenn wir länger bei dir verweilen wollen.

Bald ist Ostern. Ich erinnere mich, wie wichtig dir das Ostereiersuchen im Garten war und mit welcher Freude du über deine Funde unter den Bäumen und Büschen gejubelt hast. Wieder eine Gegebenheit, die mich unendlich traurig stimmt.

Überhaupt, ich vermisse einfach deine Stimme, deine Begeisterung und deine lebensbejahende Frohnatur so sehr.

Mitte April hatte ich mich aufgerafft, Bilder für deine Gedenkseiten aufzubereiten. Bei manchen Bildern mußte ich wirklich herzhaft lachen. Hinterher habe ich mir überlegt, wie toll es ist, so viele schöne Erinnerungen zu besitzen.
Ich habe auch festgestellt, dass die Wahl des Trauerbildes eine gute war. Und zwar deshalb, weil es dich so zeigt, wie du immer warst: ein Lächeln auf den Lippen, ein verschmitzter Blick und das Bärtchen, auf das du so verdammt stolz warst. Ich erinnere mich noch genauen den Moment der Aufnahme. Wir saßen nachmittags Ende Mai im Café vom Schwabinger Krankenhaus. Du durftest dir ein Eis aussuchen, ich hatte einen Cappuccino getrunken. Wir hatten am Tisch gefeixt und eigentlich knipste ich ein Spaßbild. Erst viel später beim Heraussuchen eines Bildes für die Anzeige in der Zeitung hatte ich diesen Blick und die Mimik gesehen. Da war mir auf Anhieb klar: das war Nicolas wie er leibte und lebte! Wie schön, dass ich dieses Bild von Dir noch knipsen durfte.

Ende April fand der Gedenkgottesdienst der Koordinierungsstelle psychosoziale Nachsorge für Familien mit an Krebs erkrankten Kindern (KONA) in der Versöhnungskirche in Emmering anläßlich des Frühjahrstreffen 2017 für trauernde Familien statt. Der Trauergottesdienst war sehr ‘schön’, obgleich auch sehr tränenreich und traurig; das gemeinsame Mittagessen und Kaffeetrinken in der Gemeinschaft zeigte mir, daß das Leben danach trotzdem irgendwann wieder weitgehend unbeschwert und normal sein kann – für mich als Neuling im Moment noch schwerlich vorstellbar.

Ende Mai, hatten wir ein erstes Stück Erinnerung abgegeben: dein Fahrrad. Du hast es geliebt und Fahrrad fahren war eine deiner Lieblings-Aktivitäten. Sehr oft war ich mit dir unterwegs. Sei es eine Runde in Überacker, zur Eisdiele oder ins Freibad. Du warst ein begeisterter Fahrradfahrer und ich hatte später oft Probleme, dir zu folgen. Es war bewundernswert, mit welcher Kraft du in die Pedale getreten hast und mit welcher Ausdauer. Es hat dir riesig Freude bereitet. Ehrlich gesagt, hatte ich nicht immer richtig Lust mitzufahren. Aber immer, wenn wir wieder zu Hause angekommen waren, war ich froh, mich aufgerafft zu haben. Denn ich konnte sehen, wie zufrieden du danach warst und welche Bedeutung das Fahrad fahren für dich hatte. Wir haben es abgegeben in der Hoffnung, dass der neue Besitzer auch genauso viel Freude damit haben wird.

Am Wochenende nach dem Vatertag, waren wir vergangenes Jahr das letzte Mal gemeinsam beim Eisessen im Alberto. Es war fast schon eine Tradition, bei schönem Wetter eine Miniradtour zur Eisdiele zu machen. Ich hatte immer einen Yoghurtbecher und danach einen Cappuccino bestellt, du 3 Kugeln Schokoeis und dazu eine Cola. Mein Gott, wie oft saßen wir bei Romina, haben Selfies von uns gemacht und viel dabei gelacht. Schön war’s.
Ich hatte mich daran erinnert und bin nachmittags spontan mit dem Fahrrad in die Eisdiele gefahren. Habe wie immer einen Yoghurtbecher bestellt … Wie schnell doch die Zeit vergeht. Ein Jahr später sitze ich jetzt alleine hier,  der Stuhl neben mir leer. Ich denke feste an Dich, habe dabei Tränen in den Augen und bin mal wieder sehr sehr traurig.

Anfang Juni sind wir für eine Woche mit unseren Nachbarn an den Gardasee gefahren. Es war prächtiges Wetter, ein komfortables Hotel und eine willkommene Auszeit Aber, Urlaub ohne Dich ist ganz schlimm. Wenn ich die Kinder so im Wasser herumtoben sah, vermisste ich dich schon wieder unendlich. Du hättest deine wahre Freude gehabt, warst du doch so eine Wasserratte. Wirklich, Urlaub ohne Dich ist kaum auszuhalten. Man versucht, sich das nicht anmerken zu lassen und leidet wie ein Hund vor sich hin. Meine Gedanken waren ständig bei dir.

Mitte Juni hatten wir uns einen Rasenmähroboter angeschafft. Wie es so ist, beobachtet man den am Anfang natürlich sehr intensiv, um festzustellen, ob auch alles richtig klappt. Wenn der kleine Grasfresser dann aus seiner Garage fährt und anfängt zu mähen, werde ich wieder an Dich erinnert, als Du ab und an den Rasen gemäht hattest: scheinbar planlos kreuz und quer. Ich denke, Du hättest deinen Spaß mit dem Roboter gehabt und ihm wohl so einiges auf den Rücken geschnallt und dann durch den Garten transportieren lassen …

Das erste Jahr ohne Dich ist jetzt vorbei. Schwer wird es werden, wurde prophezeit. Und genau so war es auch. So viele Ereignisse, die erstmals ohne Dich verbracht werden mußten.

Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer.

So viele Dinge und Örtlichkeiten, die ständig an Dich zurückblicken liessen. Und so viele Erinnerungen an schöne Momente, die man nicht wieder gemeinsam erleben werden wird.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die einen Eintrag/Beitrag auf der Herzibub-Seite hinterlassen haben!

Mein spezieller Dank gilt den Personen, die sich das Jahr über aktiv um uns gekümmert haben und immer für uns da waren.

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